The so-called ‘ego’. - Language and the prejudices upon which language is based are manifold hindrance to us when we want to explain inner processes and drives: because of the fact, for example, that words really exist only for superlative degrees of these processes and drives; and where words are lacking, we are accustomed to abandon exact observation because exact thinking there becomes painful; indeed, in earlier times one involuntarily concluded that where the realm of words ceased the realm of existence ceased also. Anger, hatred, love, pity, desire, knowledge, joy, pain - all are names for extreme states: the milder, middle degrees, not to speak of the lower degrees which are continually in play, elude us, and yet it is they which weave the web of our character and our destiny. ... (Daybreak, 115)
Das sogenannte „Ich". — Die Sprache und die Vorurtheile, auf denen die Sprache aufgebaut ist, sind uns vielfach in der Ergründung innerer Vorgänge und Triebe hinderlich: zum Beispiel dadurch, dass eigentlich Worte allein für superlativische Grade dieser Vorgänge und Triebe da sind — ; nun aber sind wir gewohnt, dort, wo uns Worte fehlen, nicht mehr genau zu beobachten, weil es peinlich ist, dort noch genau zu denken; ja ehedem schloss man unwillkürlich, wo das Reich der Worte aufhöre, höre auch das Reich des Da- seins auf. Zorn, Hass, Liebe, Mitleid, Begehren, Erkennen, Freude, Schmerz, — das sind Alles Namen für extreme Zustände: die milderen mittleren und gar die immerwährend spielenden niederen Grade entgehen uns, und doch weben sie gerade das Gespinnst unseres Cha- rakters und Schicksals. Jene extremen Ausbrüche — und selbst das mässigste uns bewusste Wohlgefallen oder Missfallen beim Essen einer Speise, beim Hören eines Tones ist vielleicht immer noch, richtig abgeschätzt, ein extremer Ausbruch — zerreissen sehr oft das Ge- spinnst und sind dann gewaltthätige Ausnahmen, zumeist wohl in Folge von Aufstauungen: — und wie vermögen sie als solche den Beobachter irre zu führen! Nicht weniger, als sie den handelnden Menschen in die Irre fuhren. Wir sind Alle nicht Das, als was wir nach den Zu- ständen erscheinen, für die wir allein Bewusstsein und Worte — und folglich Lob und Tadel — haben; wir verkennen uns nach diesen gröberen Ausbrüchen, die uns allein bekannt werden, wir machen einen Schluss aus einem Material, in welchem die Ausnahmen die Regel überwiegen, wir verlesen uns in dieser scheinbar deutlichsten Buchstabenschrift unseres Selbst. Unsere Meinung über uns aber, die wir auf diesem falschen Wege gefunden haben, das sogenannte „Ich", arbeitet mrderhin mit an unserem Charakter und Schicksal. —
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